burmeister Orthopädie & Unfallchirurgie

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Kalk-Schulter - Tendinitis calcarea

Bei der sogenannten Tendinitis calcarea handelt es sich um Kalkablagerungen in den Sehnen der Schulter, welche eine Entzündung der umliegenden Weichteile verursachen können. Nicht immer müssen solche Ablagerungen Probleme bereiten.
Oft werden sie als Zufallsbefund auf Röntgenbildern entdeckt - ohne dass daraus Konsequenzen resultieren. Die Ursache für das Entstehen von Kalkdepots ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Insbesondere Frauen und Menschen im mittleren Lebensalter sind statistisch gesehen häufiger betroffen. Man vermutet eine mechanische Überlastung der Sehnen mit einer gleichzeitig einhergehenden Durchblutungsstörung. Im weiteren Verlauf erfolgt ein Umbau der Sehnenzellen mit Verkalkungen. Auch eine Enge unter dem Schulterdach kann die Entstehung von Ablagerungen fördern. Der Druck im Sehnengewebe erhöht sich und die Sauerstoffversorgung der einzelnen Sehnenzellen wird geringer.

Solche Kalkablagerungen können nicht nur in der Schulter auftreten, sondern prinzipiell auch an allen anderen Gelenken. Letztlich können diese Verkalkungen zu einem vorzeitigen Verschleiss der Sehnen führen. Meist befinden sich solche Ablagerungen an der sog. Supraspinatussehne. Weniger häufig  sind die Sehnen des Infraspinatusmuskels oder Subscapularismuskels betroffen.

Eine symptomatische Kalkschulter ist vor allem geprägt durch einen starken Schulterschmerz. Viele der Betroffenen klagen über Nachtschmerzen. Schmerzprovozierend sind Arbeiten auf Schulterhöhe, also Überkopfarbeiten, hierbei können die Kalkablagerungen zwischen Oberarmkopf und Schulterdach einklemmen. Als besonders heftige Schmerzen gelten diejenigen Schmerzen welche im Rahmen des Auflösungsprozesses des Kalkdepots entstehen. Zusammenfassend kann bemerkt werden, dass die Beschwerden je nach Stadium der Erkrankung unterschiedlich stark ausfallen können.

Man unterscheidet 4 Phasen des Krankheitsverlaufes:

  1. Zellumwandlung: Sehnenzellen werden infolge Schwellung, Entzündung und vermehrten Druck sowie verminderter Sauerstoffversorgung der Sehnenzellen in knorpelige Zellen umgewandelt. Radiologisch sichtbar ist hier noch nichts da keine Verkalkung stattgefunden hat. Die Schmerzcharakteristik ist noch mild ausgeprägt.
  2. Verkalkung: Zellen sterben ab und werden durch Kalkablagerungen ersetzt. Die Schulterschmerzen nehmen zu. Der Kalk kann nun sichtbar sein.
  3. Auflösung: Das Kalkdepot löst sich in der Schulter spontan auf. Es kommt begleitend zu einer deutlichen Entzündungsreaktion. Die Schmerzen sind nun massiv.
  4. Reparation: Die Region des ehemaligen Kalkdepots  verheilt, es kommt zu einer Vernarbung.

Konservative Therapie einer Kalkschulter: In 60% der Fälle kommt es zu einer spontanen Kalkauflösung mit anschliessender Beschwerdefreiheit. Im Vordergrund stehen anfänglich immer konservative Therapiemassnahmen. Hierzu zählen die Verordnung von Schmerzmitteln und / oder sog. Entzündungshemmern. Die entzündungshemmenden Medikamente (NSAR) führen zu einer Schmerzreduktion.
Auch die Infiltrationstherapie gehört zu den konservativen Massnahmen. Hierbei werden lokale Schmerzmittel meist mit Kortison kombiniert und direkt an das Kalkdepot gespritzt. Die Physiotherapie hat bei der Kalkschulter eine untergeordnete Rolle. Bei dem sog. „Needling“ wird unter örtlicher Betäubung und Röntgenkontrolle das Kalkdepot mit einer Nadel versucht zu eröffnen. Das Needling ist schmerzhaft und unangenehm und geht mit einer erhöhten Infektrate einher. Es wird heute nicht mehr als Therapie der Wahl empfohlen.
Physikalische Therapie: Hier drunter fallen die Stosswellenbehandlung, Ultraschallbehandlung, die Elektrotherapie und die Iontophorese.
Die Stosswellentherapie stellt ein elegantes Verfahren dar, um die vorliegenden Kalkdepots durch Schallwellen zu verkleinern. In der Orthopädie kommt dieses Verfahren seit ca. 10 Jahren zur Anwendung, ursprünglich wurde es in der Urologie zur Zertrümmerung von Nierensteinen vor mehr als 20 Jahren eingeführt. Die Verkleinerung der Depots ermöglicht dem Körper diese selbstständig abzubauen. Je nach Literaturangabe liegt die Erfolgsrate zwischen 35-75%.

Bei der Ultraschallbehandlung wird ein Gel auf die Schulter aufgebracht. In Kombination mit dem Ultraschall soll die lokale Durchblutung verbessert werden. Auch bei der  Elektrotherapie sollen Gleichströme / galvanische Ströme die örtliche Durchblutung am Kalkdepot der Schulter verbessern. Mit Hilfe der Iontophorese soll die Substanz einer Salbe oder eines Gels mittels angelegter Elektroden, über den zwischen den Elektroden fliessenden Strom. an das Kalkdepot transportiert werden.

Operative Therapie der Kalkschulter:
In 60% der Fälle kommt es zu einem spontanen Auflösen des Kalks. Sollte dies ausbleiben und  die o.g. konservativen Therapiemassnahmen nicht zu dem gewünschten Erfolg führen, sollten die Kalkablagerungen operativ durch eine Schultergelenksarthroskopie (Spiegelung) entfernt werden. Je nach Beschwerdebild und bildgebender Diagnostik des Patienten kann die arthroskopische Kalkdepotentfernung mit einer Akromioplastik kombiniert. Darunter versteht man, den Raum unter dem Schulterdach zu vergrössern, damit ein Einklemmen (Impingemnet) vermieden werden kann.

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